Herausforderungen

Betroffene brauchen Hilfe

Massive Werbung von Sekten, anderen Religionen und auch "Jugendreligionen" und ähnlichen  Gruppen auf Straßen und Plätzen, in öffentlichen Gebäuden, z.T. sogar in kirchlichen Räumen, ist zu verzeichnen. Einige der Organisationen, die sogenannten Kulte und Jugendreligionen belassen es nicht bei Werbung und Einladung, sondern rekrutieren junge Leute zwischen 15 und 35 Jahren.
Durch diese Rekrutierung in die religiösen Extremgruppen entstehen für Familien und Einzelpersonen massive Probleme, angefangen vom Auseinanderbrechen von Familien und anderen menschlichen Bindungen über Abbruch von Ausbildung, Studium oder der beruflichen Tätigkeit. Neben finanziellen Belastungen können durch extreme Inanspruchnahme und Belastungen, aber auch durch bedenkenlos angewandte Psychotechniken psychische Auswirkungen bis hin zu krankhaften Veränderungen entstehen.
Hier muß den oft ratlosen betroffenen Familien geholfen werden aber auch denen, die durch raffinierte Rekrutierungstechniken und innerorganisatorischen Druck die Entscheidungsfreiheit genommen wird:

  • durch Rat und Tat,
  • mit Seelsorge und Unterstützung,
  • nicht zuletzt auch mit Information.

Diese kirchliche Hilfe wird auch von vielen erwartet und in Anspruch genommen,
die selbst keine Kirchenmitglieder sind.
Weil von der Kirche zu Recht erwartet wird,

  1. daß sie kompetente Gesprächspartner für Menschen in religiösen Entscheidungsfragen hat;
  2. daß sie mit gutem Rat helfen kann;
  3. und weil die Kirche die Glaubens- und Gewissensfreiheit des Einzelnen respektiert und schützt.

„Erbarmt euch der Zweifelnden.
Reißt sie aus dem Feuer und errettet sie.“
(von Pfr. Gandow bei der Einführung in sein Amt 1991
als Motto gewählt; vgl. Judasbrief, 22.23)

Informationsbedarf

Angesichts weitgehender Unkenntnis über religiöse Fragen und einer oftmals anzutreffenden spärlichen Informationsausgabe der fraglichen Gruppen oder gar bewußter Heimlichtuerei, Verschleierung oder Falschdarstellung gibt es einen großen Bedarf an sachlicher, kritischer Information.

Information als „apologetische Diakonie“

Dabei geht es nicht allein um die Vermittlung der Kritikfähigkeit, also der Unterscheidungsfähigkeit, sondern oft auch um schlichte Sachinformation.
Kirchliche Sekten- und Weltanschauungsexperten haben haben sich seit vielen Jahren in kompetenter Weise aus theologischer oder religionswissenschaftlicher Sicht mit den neuen religiösen Organisationen befaßt. Ihre Bücher dazu sind oftmals die ersten Darstellungen des Problemfeldes oder einer einzelnen Gruppe gewesen. Viele ihrer Veröffentlichungen gelten daher heute als Standardwerke. Näheres in der Literaturliste.
Den dringend erforderlichen, kirchlichen Dienst der Information und Entscheidungshilfe für die Gesellschaft kann man in Anlehnung an die sozialen und politischen Dienste der Kirche "apologetische Diakonie" nennen.

Notwendigkeit der Klarstellung

Die Kirche muß Position beziehen zu Gruppen und Bewegungen, die sich selbst als "christlich" bezeichnen.
Das können "fundamentalistische" oder angeblich "charismatische", aber auch andere christliche (sektiererische) Organisationen, Personen und Strömungen sein. Solche Gruppen geben zwar vor, "christlich" zu sein und agieren unter Umständen sogar am Rande der Kirche. Aber sie vertreten Positionen und Praktiken, die mitunter weit von der Kirche und vom Christentum weit entfernt sein können. Dazu darf die Kirche nicht schweigen.

Klarstellung ist auch erforderlich gegenüber nicht-christlichen und anti-christlichen Organisationen, die sich zur absichtlichen Irreführung mißbräuchlich "Kirche" nennen, aber nichts mit der Kirche und der weltweiten Christenheit zu tun haben.

Die "richtige", nämlich die auf "Schrift und Bekenntnis" basierende, traditionelle Kirche
ist für diesen Klarstellungsdienst an Ort und Stelle besonders verantwortlich.
Die Kirche ist dazu nicht aus Gründen des Selbstschutzes veranlaßt,
sondern weil sie in einen Hirtendienst für die irrenden und suchenden Menschen gerufen ist.
(Matthäus 9, 36-38)

Selbstvergewisserung und Dialog in Konfrontation

Die Kirche muß den religiösen Pluralismus, die multireligiöse Gesellschaft als ihr Aktionsfeld annehmen. Deshalb muß bedacht und durchbuchstabiert werden, was diese Situation unterscheidet von der bisher erwarteten "säkularisierten" Umwelt "westlichen" oder "östlichen" Typs.
Die Beschreibung dieser Situation als "religiöser Markt" ist eindimensional und greift deshalb zu kurz.
Denn das menschliche Möglichkeiten Überschreitende, das nicht Verrechenbare des christlichen Evangeliums (wie auch das Überschießende und nicht-Käufliche anderer, authentischer Religionen) steht quer zu ökonomischen Begriffen und Bildern wie: "Religion als Ware"; "Religiöser Markt" usf. und überschreitet sie.

Weder religiöse Konkurrenz noch synkretistische (religionsvermischende) Beliebigkeit, sondern

  • Auseinandersetzung und nachbarschaftliches Zusammenwirken,
  • Konfrontation und Dialog

sind die Formen echter religiöser Begegnung in der Gegenwart.

Daß sich die Kirchen dieser Herausforderung stellen können, dafür setzt sich ein internationales Netzwerk von Christen ein, insbesondere das ökumenische Dialog Center International (DCI), das den Begriff und die Strategie des offenen Dialog in Konfrontation entwickelt hat