DOKUMENTATION EINES TEXTES VON 2007                      


Pfr. Thomas Gandow                        Landeskirchliches Pfarramt für Sekten- und Weltanschauungsfra­gen
Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz
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Stichwort: Scientology

Dianetik, Scientology-Organisation (SO) und Hubbardismus

von Pfarrer Thomas Gandow, Regenstauf 2007/13.Juli 2007

 

Vorbemerkung
Scientology ist keine Religion, keine Sekte, keine Glaubensgemeinschaft.
Scientology wird hier dargestellt, da sich die Scientology-Organisation zur Tarnung ihrer geschäftlichen und politischen Bestrebungen einer religiösen Verkleidung bedient.



Scientology

Das Wort »Scientology« wurde 1907 von dem Philologen Allen Upward (1863 - 1926) geprägt,
der damit bestimmte Theorien als »pseudowis­senschaftlich« charakterisieren wollte.

Scientology ist heute ironischerweise die Selbstbezeichnung für


  • das von dem amerikanischen Science-Fiction-Schriftsteller Lafayette Ronald Hubbard ent­wickelte totalitäre Gedankengebäude, ein Ge­misch aus Science-Fiction-Elementen und pseudo-wissenschaftlichen Techniken, das er in Büchern, Kursmaterialien und Vorträgen zu einer totalitären Ideologie („Hubbardismus“) ausgebaut hat, aber auch für

  • das multinationale Konglomerat von Firmen und Organisationen („Scientology-Organisa­tion“) zur Vermarktung des Copyrights und zur Verbreitung der Ideen von Hubbard. Dabei vermarktet Scientology Schriften und Kurse zum Geschäftsmanagement, zur Kommunika­tion, zu Erziehung und Bildung („Studiertech­nologie“), zu Psychotherapie und Gesund­heitswesen, zu Drogenrehabilitation und zum Steuersystem bis hin zum Entertainment. Weitere Geschäftsbereichen befassen sich mit politischen Schwerpunkten, mit wirtschaftlichen Zielsetzungen, mit pseudomedizinischen und pseudopsychiatrischen Angeboten. Es gibt auch einen, je nach Opportunitätsgründen zu nutzenden oder zu verbergenden ‚religiösen’ Bereich.


Entstehung und Geschichte

Hubbard (13.3.1911 - 24.1.1986) war zunächst Verfasser von Western-Romanen, Gruselstories und Science-Fiction. 1945 engagierte er sich in der kalifornischen Gruppe des neosatanistischen Ordo Templi Orientis, wo er die okkulten Elemente seines späteren Systems kennenlernt. Im Oktober 1947, knapp zwei Jahre nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst, schrieb er einen Brief an die Marineärzte, in dem er um psychiatrische Hilfe bat: ». . . Nachdem ich zwei Jahre lang vergeblich versucht habe, mein Gleichgewicht im zivilen Le­ben wiederzufinden, bin ich völlig außerstande, so etwas wie meine eigene Zurechnungsfähigkeit zu erreichen. Mein letzter Arzt informierte mich da­hingehend, daß es sehr hilfreich sein könnte, wenn ich psychiatrisch überprüft und möglicher­weise behandelt würde. . (Brief vom 15. Oktober 1947 , aus: St. Petersburg Times, Scientology- An in-depth profile of a new force in Clearwater, Clearwater 1980, S. 18)

Möglicherweise lernte er in diesem Zusammen­hang psychotherapeutische Theorien und Verfah­ren kennen. Jedenfalls gab Hubbard später an, in den folgenden Jahren den »menschlichen Geist« (engl. »mind«) und die Möglichkeiten »mentaler Heilung« „erforscht“ zu haben.

1950 veröffentlicht er in einem Science-Fiction-Magazin den Artikel „Dianetics – A New Science of the Mind“, die erste Fassung der späteren Scientology-Schrift „Dianetik – die moderne Wis­senschaft der geistigen Gesundheit“ (Ende 1950). Das Buch hatte in dem damaligen Psycho- und Selbsthilfe-Boom in den USA Erfolg. Es gelang Hubbard, Lesezirkel zu einer Art psychotherapeu­tischer Heilungsbewegung zu organisieren. Bald kam es zu Strafverfahren wegen unerlaubter Aus­übung von Heilverfahren.

Im Konflikt mit lokalen und nationalen ärztlichen Standesvertretungen (American Medical Associa­tion) und Gesundheitsbehörden (Food and Drug Administration) entstand die Idee, Organisation und Angebot als Religion darzustellen. Wohl zur Vermeidung weiterer Verfahren ließ Hubbard im Dezember 1953 in New Jersey gleich drei reli­giöse Organisationen amtlich eintragen: die Church of American Science, die Church of Scientology und die Church of Spiritual Enginee­ring.

„Der einzige Grund, aus dem es Orgs gibt, ist die Aufgabe, MATERIALIEN UND DIENSTLEISTUN­GEN
AN DIE ÖFFENTLICHKEIT ZU VERKAU­FEN UND ZU LIEFERN UND LEUTE AUS DER ÖFFENTLICHKEIT HERElNZUHOLEN, AN DIE MAN VERKAUFEN UND LIEFERN KANN: DIE ZIELSETZUNG IST
TOTAL BEFREITE KUNDEN! Sowohl die erste als auch aIle nachfoIgenden Or­ganisationen
der Kirche wurden ausschließlich zu diesem Zweck gegründet.“
(HCOPL 31. Januar 1983 Aus: The Auditor 191 (1983).
[Sämtliche Hervor­hebungen im Original.]


Lehre

Die Lehre Hubbards ist geprägt von drei Hauptthemen:

1. Kampf gegen die Psychiatrie

und die Präsentation von Dianetik und der Scien­tology-Technologie als alternatives System zur bisherigen Mental-Health Care (psychiatrische Versorgung). Mental Health bezieht sich im engli­schen Sprachraum auf die psychische Gesund­heit. Hubbards eigene Erfahrungen mit Psychiatrie und Psychotherapie, aber auch die frühe Ausein­andersetzung mit dem professionellen Gesund­heitssystem in den USA haben zu der Schärfe der Feindschaft gegen die Psychiatrie beigetragen. Im deutschen Sprachraum wird „Mental Health“ in Scientology-Veröffentlichungen als „Geistige Ge­sundheit“ übersetzt. „Geistige Gesundheit“ ist hier im Gegensatz zu „Geisteskrankheit“ zu verste­hen.. Scientology versteht sich selbst als eine Wissenschaft und Technologie zur Herstellung psychischer Gesundheit („Mental Health“), als  alternatives System und alternative Methode zur Psychiatrie, die durch Scientology ersetzt werden soll.

2. Okkultismus

Durch die aktive Beschäftigung Hubbards mit Ok­kultismus, Magie und Autosuggestion kommen magisch-thelemitische Aspekte in das hubbardisti­sche Menschenbild. Vgl dazu: Meldgaard, Helle: Zu den wahren Wurzeln von Scientology http://www.religio.de/dialog/496/496s6.html.
An esoterische Vorstellungen, insbes. Reinkarna­tionsvorstellungen wird angeknüpft mit der Scien­tology-Lehre von „Früheren Leben“. Diese Lehre wird mit den Vorstellungen von Krankheit und Heilung so verbunden, daß auch Belastungen aus früheren Leben diagnostiziert und behandelt wer­den können.

3. Science Fiction

Einflüsse aus dem Science-Fiction-Bereich, in dem Hubbard schriftstellerisch tätig war, führen dazu, daß die Herkunft von belastenden „Implan­taten“ und auch der psychiatrischen Verursacher in den Weltenraum und in eine ferne, aber bis heute wirksame Vergangenheit verlegt werden kann (Galaktische Konföderation, Markab, Xenu­zwischenfall vor 75 Millionen Jahren). Hubbard selbst kennzeichnet diesen Teil seiner Lehre als „Very Space Opera“. (z.B. http://www.cs.cmu.edu/~dst/OTIII / )


Werbung und Arbeitsweise

Mit aggressiver Straßenwerbung („body-routing“) werden Interessenten (auch Jugendliche) nach einem „Persönlichkeitstest“ durch ein geschicktes Verkaufsgespräch zur Buchung teurer („Kommunikations-) Kurse gebracht oder als „Mit­arbeiter“ gewonnen.

Verkauft werden „Kommunikations“-Kurse, aber auch Erfolgs­kurse. Mit „Reinigungs“-Kursen soll man angeblich Drogenbelastungen und atomare Schädigungen, auch aus früheren Leben, loswer­den. Wer kein Geld für die teuren Kurse hat, dem wird von Scientology ein (Neben-) Job und schneller Geld­verdienst angeboten – verführeri­sche Angebote in wirtschaftlich schweren Zeiten.

»Die ganze Aktion ist erst ein Produkt [d. h. ein Erfolg], wenn die angesprochene Person auf Kurs sitzt, Kommunikationskurs oder irgendein anderer, ein Buch gekauft hat oder sich auditieren läßt.« (Executive Directive Nr. 26, Scientology Kirche Düsseldorf, 11. Mai 1984).

Das kompliziertes Kurssystem, die „Brücke zur totalen Freiheit“ hat Züge einer Gehirnwäsche. Durch Verhöre („Auditing“) mit Hilfe eines primiti­ven Lügendetektors („E-Meter“) bei dem durch Fragen zur Person und ihrem persönlichen Umfeld „Fallakten“ angelegt werden, sollen Personen und Umstände „geklärt“ und der „reaktive Verstand“ beseitigt werden, um den Menschen zum „clear“ zu ma­chen.


Von anderen Psycho-Organisationen unter­scheidet sich Scientology auch durch einen eige­nen, professionellen Geheimdienst, (O.SA= Office for Special Affairs, Amt für Öffentlichkeitsarbeit) http://www.ingo-heinemann.de/Geheimdienst.htm , sowie eigene private Straf- und Umerziehungsla­ger (RPF= Rehabilitation Project Force) http://www.ingo-heinemann.de/rpf-hh1.htm .


Kriti­ker, vor allem frühere Mitglieder mit Einblick in die Organi­sationsstrukturen, werden als „Freiwild“ (= „Fair Game“) betrachtet und mit allen, auch unge­setzlichen Mitteln verfolgt, um sie zu beseitigen. http://en.wikipedia.org/wiki/Fair_Game_(Sciento­logy)


Vorstellungen

Scientologen verstehen sich als Elite, dazu be­stimmt, die Erde und die gesamte Galaxis zu ret­ten im Kampf gegen eine totalitäre Verschwörung, die die Befreiung der Thetane verhindern will. Da­bei ist die Psychiatrie der Hauptfeind, da sie die Bevölkerung manipuliere und kontrol­liere. (L. Ron Hubbard, Policy Letter „Das Image der Org“ in: „Die Management-Serien Band 3, Kopenhagen 2001, S. 23)
Der Staat finanziere der Psychiatrie Todeslager für Andersdenkende (L. Ron Hubbard „Die ge­plante Revolution“ in: Ron. Der Menschenfreund. Freiheitskämpfer“, 1997, S. 69).

Ein geheimes, weltweites Netzwerk aus Rü­stungskartellen, Pharmakonzernen, Drogenhandel und Geheimdiensten und hohen Finanzkreisen, und eben der Psychiatrie steuere die fatalen Ent­wicklungen. (vgl. L.Ron Hubbard: „Die Ruchlosen halten zusammen“ in Ron. Der Menschenfreund. Freiheitskämpfer, 1997, S. 86 und L.Ron Hubbard, „Rons Journal 67“, Deutsche Übersetzung der Bandabschrift, Kopenhagen, 1986 S. 3)  Diese Verschwörungstheorie wird mit der Geschichte illustriert, die Thetanen seien auf Grund einer Weltraum-Ver­schwörung unter psychiatrischer Beteiligung vor ca. 75 Millionen Jahren versklavt worden. Deshalb meinen die Menschen heute, von Materie, Energie, Raum und Zeit abhängig zu sein.


Ziele

Scientology will nicht nur einzelne Menschen, sondern den ganzen Planeten Erde mit all seinen Bewohnern »clear« machen. Ziel ist also die „Klärung des Plane­ten“, d.h. die globale Durchsetzung der scientolo­gischen Ideologie in Gesellschaft und Staaten.

Dazu gehören als Zielstellungen die Lenkung von Re­gierungen durch Scientology, die Einführung des scientologischen Rechts- und Finanzsystems, die Zerschlagung der Psychiatrie und ihre Erset­zung durch Scientology und die Ausforschung und Vernichtung („Obliteration“) von Kritikern (SPs=Unterdrückerischen Personen).


Neue Europa-Strategie

Die SO sieht sich im Krieg mit Europa. Dabei wird von einem „4. Reich“ (Frankreich, Deutschland, Belgien) gesprochen, in dem sich der Widerstand gegen die SO-Expansion in Europa organisiere.

Bei einer internen Konferenz in Brüssel im Früh­jahr 2006 wurde bekanntgegeben, daß in den eu­ropäischen Hauptstädten „Ideale Orgs“ eingerich­tet werden sollen, um Einfluß auf die Regierungen zu bekommen. In diesem Zusammenhang ist das Engagement des Scientology-Vertreters und Schauspielers Tom Cruise in Europa zu sehen, der gemeinsam mit den US-Botschaftern „Druck auf die Nationen“ Europas ausüben möchte.

Um die scientologischen „planetarischen Ret­tungskampagnen in Anwendung zu bringen müs­sen wir die obersten Ebenen der deutschen Re­gierung in Berlin erreichen“ hat sich die SO jetzt vorgenommen. 

Mit der Errichtung einer „Idealen Org“ in Berlin beabsichtigt die SO „die nötigen Zufahrtsstraßen in das Deutsche Parlament zu bauen“, um scientologische „Lösungen tatsächlich eingearbeitet zu bekommen in die gesamte deut­sche Gesellschaft“.


In den Rahmen dieser Expansionsstrategie der Scientology-Organisation gehört auch  das Film-Projekt des „Scientology-Ambassadors“ und Hollywood-Schauspielers Tom Cruise "Rubikon",  bei dem er die Rolle des Widerstandskämpfers Claus Schenk Graf Stauffenberg übernommen hat. http://www.focus.de/politik/deutschland/scientology_aid_63916.html http://www.focus.de/politik/deutschland/scientology_aid_63916.html

Stauffenberg war bereit, im Kampf gegen Unterdrückung und Tyrannei sein Leben zu lassen. Scientology-Gründer Hubbard, dessen Ideologie Cruise als Scientology-Funktionär vertritt, schreibt offen von der Notwendigkeit, Quarantäne-Lager für Andersdenkende, 20% der Bevölkerung, einzurichten und 2,5 % der Bevölkerung, die von vornherein nicht auf Kurs zu bringen sind, zu vernichten. [2] Vgl. HUBBARD, HCO Bulletin v. 27.09.1966: “Die Antisoziale Persönlichkeit / Der Antiscientologe” und auch: http://www.religio.de/dialog/298/13_20.htm; Informationen über heute schon bestehende Straf- und Umerziehungslager der Scientology-Organisation hier: http://fhh.hamburg.de/stadt/Aktuell/behoerden/inneres/arbeitsgruppe-scientology/publikationen/gehirnwaesche-pdf,property=source.pdf

Zum wiederholten Mal versucht die Scientology-Organisation damit, die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte des 3. Reiches in ihrem Sinne umzudeuten und damit ihren eigenen Totalitarismus salonfähig zu machen. Vgl. dazu: “Der Geheimdienst der Scientology-Organisation; - Grundlagen, Aufgaben, Strukturen, Methoden und Ziele” - http://fhh.hamburg.de/stadt/Aktuell/behoerden/inneres/landesamt-fuer-verfassungsschutz/publikationen/pdf-bibliothek/scientology-organisation-pdf,property=source.pdf)

Scientology bezeichnet heute die Institutionen des demokratischen Europa als “4. Reich”. Man befinde sich mit Europa im Krieg. Vgl. Le Soir Magazine vom 17. Mai 2006, S. 10 ff.; Verfassungsschutzbericht 2006, S. 315 http://www.verfassungsschutz.de/download/de/publikationen/verfassungsschutzbericht/vsbericht_vorabfassung_2006/vsbericht_vorabfassung_2006.pdf

Auf diesem Hintergrund versucht die totalitäre Scientology-Organisation, sich mit den Widerstandskämpfern gegen das 3. Reich der Nazis gleichzusetzen. Bei der scientologischen Technik des “Positioning” geht es u.a darum, mit etwas sehr Positivem bzw. mit positiven Menschen in einem Atemzug genannt und dadurch aufgewertet zu werden. Scientology will sich deren Image aneignen.

Es geht hier nicht darum, einen schauspielernden Scientologen als Person zu kritisieren. Tom Cruise ist vielmehr erklärter Funktionsträger (”Ambassador” = Botschafter) der Scientology-Organisation. Darum stellt er seine Schauspielerei gänzlich in den Dienst der Scientology-Organisation. [5] Vgl. dazu den Brief von Cruise an das US-State Department, das US-Außenministerium. Faksimile auf http://www.sekteninformation.de/cruisebrief.pdf

Es ist die Absicht der Scientologen,  ihren eigenen Totalitarismus und politischen Extremismus durch die Inanspruchnahme der Traditionen des Widerstands gegen das Hitlerregime schönzufärben.  Ausführlichere Infos unter http://blog.dialogzentrum.de 

 

Zuliefer-Organisationen

Jede „ideale“ Scientology „Org benötigt 10 ‚missions’ um sich herum. Und 50 verschiedene Außen-Gruppen“ (Amicarelli, 8.4.2006, Brüssel) Diese Front- bzw. Zuliefer-Organisationen sollen nicht nur er Image-Pflege dienen („Jugend für Menschenrechte“). Vor allem sollen Menschen durch die auch „Feeder Lines“ genannten Organisationen (Sag Nein zu Drogen, sag Ja zum Leben, Narconon, Criminon, Kommission für Verstöße der Psychia­trie gegen die Menschenrechte = KVPM, Applied Scholastics, IHELP) rekrutiert und in das Kurssystem, auf die „Brücke“, gebracht werden. Feeder-Organisationen sind bei Scientology (DAM) definiert als „all die unteren Organisationseinheiten auf der Brücke, die dazu da sind,  Leute die Brücke raufzubringen zur nächsthöheren Org.“


Mitglieder

Scientology kennt keine Mitglieder im normalen organisatorischen Sinne, sondern eigentlich nur Kunden und Mitarbeiter.Neben den Staff Members innerhalb der Organisationen gibt es die sog. Field Staff Members, also Personen, die auf Provisionsbasis selbständig in der Gesell­schaft werben.

Im Kern der Organisation existiert als direkt von der Zentrale gesteuerte und organi­sierte Truppe die sogenannte Sea Org.

Kunden und nicht-mitarbeitende Scientologen werden in der IAS (=International Association of Scientologists) organisiert; Klein- und Großunter­nehmer im WISE (World Institute of Scientology Enterprises)

Der Verfassungsschutz geht von 5000 – 6000 Scientologen in Deutschland aus. Damit dürfte die Zahl der deutschen IAS-Mitglieder getroffen sein. Die Zahl der Kunden (Kursabsolventen) dürfte das zehn- bis 20fache betragen. In den eingetragenen Vereinen sind dagegen nur einige hundert organi­siert.


Beurteilung und Stellungnahme aus christlicher Sicht

1.      Individuelle Gefahren: Die Teilnahme an den Scientology-Kursen ist sehr teuer. Manche, auch Jugendliche, haben sich dabei sehr verschuldet und sind dadurch auch finanziell abhängig geworden. Viele ha­ben durch solche Psychokurse nur Geld und Gut ver­loren. Andere haben aber Kopf und Kragen, nämlich Verstand, geistige und kör­perliche Gesundheit und sogar ihr Leben aufs Spiel gesetzt.

2.      Ideologie von totaler Freiheit und totaler Disziplin: Der Thetan als »autono­mer Mensch« unterliegt keinen Geboten, Ge­setzen und ethischen Normen mehr, die außerhalb von ihm bzw. außerhalb von Scien­tology bestehen. Er er­schafft sich vielmehr selbst ein eigenes »Universum«. Die versprochene totale Freiheit wird gleich­zeitig mit totaler Unterwerfung unter die SO er­kauft:
»Da Scientology jetzt totale Freiheit bringt, muß sie auch die Macht und Autorität haben, totale Disziplin zu fordern, oder sie wird nicht überleben« (HCO Policy Letter, 5. Januar 1968). Vergleiche hierzu: Atack, Jon: Die Falle der völligen Freiheit http://home.snafu.de/tilman/j/freiheit.html

3.      Überlegenheitsgefühl motiviert zu Weltherrschaftsplänen: Scientologen fühlen sich allen anderen Men­schen hoch überlegen und nennen Nicht-Scientologen nur verächtlich »raw meat« (rohes Fleisch). Hubbard: »Die Rangstufe von Scientologen und Dianetikern liegt im obersten Zehntel des obersten Zehntel der intelligen­testen Bevölkerungsgruppen der Welt; sie sind die intelligentesten Leute der Welt. Das ist eben so.« (Weihnachtsansprache 1976). Scientologen fühlen sich u.a. daher zur Weltherrschaft berufen und sind bereit, ihre diesbezüglichen Ziele mit allen Mitteln durchzusetzen.

4.      Vernichtungs- und Gleichschaltungspläne: Zu den Zielen von Scientology gehört neben der Ausrottung der Psychiatrie auch die völlige Vernichtung aller Gegner, die als „supressive persons“ und „antisoziale Personen“ bezeichnet werden. Dazu rechnet Scientology 2,5% aller Menschen, in Deutschland also 2 Millionen. Staat und Gesellschaft sollen völlig gleichgeschaltet werden durch Beseitigung aller „Gegenabsichten“ und, „wenn das erreicht ist“, auch aller „Fremdabsichten“, d.h. aller nicht-scientologischen Vorstellungen, Pläne und Weltanschauungen. (HCO-PL 18.6.1968; „Ethik“ in: „Wie man Unterdrückung konfrontiert und zerschlägt, 2001, S. 149)

5.      Hubbard lehrte: »Don´t ever defend. Always attack.« (HCO PL vom 15. August 1960, De­partment of Governement affaires). („Vertei­dige dich nie – greife immer an!“) Hier werden die Verbindungen zu neo-satanistischen Vor­stellungen deutlich, wie sie Hubbard im Ordo Templi Orientis kennengelernt hatte.

6.      Die Selbstdarstellung als Religion bzw.als „Kir­che“ hat m.E. den Zweck, die Öffentlichkeit über den wahren Charakter der Organisation zu täuschen. Dazu gibt es zahlreiche Aussagen Hubbards. Hinzu kommt, daß die Lehren des Hubbardis­mus im grundsätzlichen Widerspruch zum Christentum und zu den christlichen Kirchen wie auch im Gegensatz zu jeder anderen „bona fide“- Religion stehen.

7.      Für Christen wichtig ist auch, daß das Angriffs­ziel dieser Organisation nicht allein die staatli­che Ordnung oder die Psychiatrie, sondern auch die Religion ist. Die Kirchen werden at­tackiert, so in Deutschland, Spanien, Polen, Griechenland und Rußland. Denn die Sciento­logy-Organisation hat einen totalitären An­spruch. Eines der von Scientology formulierten Hauptziele ist es,“Gegenabsichten zu entfer­nen. Ist das erreicht, wird das Ziel - Fremd­ab­sichten zu entfernen.“  Früher oder später soll also auch die Kirche beseitigt werden - entwe­der als Institution mit "Gegenabsicht" oder - (später) als Institution mit "Fremd­absicht".

8.     Die Lehren des Hubbardismus und die Prakti­ken der Scientology-Organisation sind mit dem christlichen Glauben und dem christlichen Welt- und Menschenbild nicht zu vereinbaren.

9.      Insgesamt muß Scientology und der Hubbar­dismus mit seinen Lehren und Organisationen einschließlich der Abspaltungen („Freie Zone“) aus kirchlicher Sicht als nicht-christlich, und als sozial zerstörerisch und menschenverachtendbeurteilt werden.

10. Christen sind zur Klarstellung herausgefordert, weil sich die Scientology-Organisation in Deutschland frech „Scientology-Kirche“ nennt, obwohl sie über­haupt nichts mit dem Herrn (gr. kyrios) Christus zu tun hat. Das Wort "Kirche" kommt von dem griechischen "kyriakon"= dem Herren (=kyrios, gemeint: Jesus Christus) Zugehöri­ges. Und mit ihm hat Scien­tology nun ganz und gar nichts zu tun. - Im Gegenteil: Sciento­logy Gründer Hubbard behauptete, Jesus Christus habe nicht existiert und das Christentum sei ein elektronisches (!) Implan­tat.

11.Wir als Christen müssen auch alarmiert sein, weil die Scientologen in ihrer irreführenden Werbung – auch riesengroß an der neuen Deutschland-Zentrale der SO in Berlin - , das Zeichen des hl. Kreuzes benutzen. Nur wenige erkennen gleich, daß dies Kreuz durch­gestrichen ist. Denn Scientology lehnt das Kreuz und die Er­lösung durch Jesus Christus ab. „In der christ­lichen Tradition ist das Kreuz ein Zeichen der Erinnerung an Christi Tod und Auferstehung und in ethischen Begriffen gesagt ein Sym­bol für Selbstverleugnung und Hin­gabe, ja für De­mut und für Versöh­nung mit Gott, nicht für ‚Überleben’ und Durchsetzung auf Kosten an­derer wie bei Scientology“ schrieb der Theolo­gieprofessor und Grünen-Politiker Wolfgang Ullmann dazu. http://www.religio.de/dialog/496/496s8.html

 

Über Scientology informieren viele, sehr unterschiedliche Bücher. Ich empfehle z.Zt. nur:

F.W. Haack: Scientology - Magie des 20. Jahrunderts, München 1995

Ursula Caberta: Schwarzbuch Scientology, Gütersloh, 8/2007

F. Nordhausen, L. v. Billerbeck: Psycho-Sekten, Frankfurt 2000

Ilse  Hruby: Meine Ehe mit einem Scientologen, Gütersloh 2000  - Das Buch steht im Internet: http://www.ilsehruby.at/hrubybookgerman.htmlJahr­hunderts, München 1995;

Internet:

Staatliche Stellen:   

 

Private Seiten deutsch:

-         http://home.snafu.de/tilman/scientology_ger.html 

-         http://www.xenu.de

-         http://www.ingo-heinemann.de

-         http://www.relinfo.ch/index/hubbardismus.html


Private Seiten international:

-         http://www.xenu.net  (Internationale Scientology-Kritik)

-         http://www.xenutv.com (Videoclips, Aussteigerinterviews)

-         http://www.gerryarmstrong.org (Scientology's Salman Rushdie)

-         http://carolineletkeman.org  (A resource for victims of Scientology)

-         http://www.suppressiveperson.org (Suppressive Person Defense league –SPDL)

 

Pfarrer Thomas Gandow, 

Regenstauf 2007/13.Juli 2007